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Bist Du manchmal satt vom Billardspielen? Du hast genug Übungen, Sätze und Turniere gespielt? Aber trotzdem würdest Du gerne mehr machen, um ein besserer Spieler zu werden?

Nicht alles Training muss sich am Billardtisch abspielen. Genauso wie Fußball-Profis nicht den ganzen Tag auf dem Fußballplatz rumrennen, musst Du nicht den ganzen Tag Billard spielen.

Hier sind einige Tipps, wie Du auch abseits vom Billardtisch zu einem besseren Spieler werden kannst. Und das Gute ist, dass ein paar dieser Dinge auch außerhalb des Billardsports positive Effekte auf Dein Leben haben.

Meditation

Jeder weiß es: Konzentration und Ruhe ist wichtig, wenn man seine Höchstleistung am Billardtisch abrufen möchte. Wenn Du im Moment des Stoßes an etwas anderes denkst, bist Du abgelenkt und der Stoß wird nicht perfekt. Mit Meditation kannst Du Dein Gehirn trainieren, sich besser auf Dinge zu fokussieren – und den inneren Kritiker öfter mal zum Schweigen zu bringen. Das ist der Typ, der Dir erzählt, dass Dein Gegner besser ist, dass Du eine Null bist, dass das Material Müll ist, dass Du eigentlich gar nicht motiviert bist etc. Kennste?

Ich nutze seit einigen Wochen die App Headspace, um Meditation zu lernen. Jeden Tag setzt man sich 10 Minuten hin und wird durch eine Meditation geleitet. Und schon nach kurzer Zeit merke ich, dass ich insgesamt ausgeglichener bin und mich auch am Billardtisch schneller wieder zurück in die Spur bringen kann, wenn ich abgelenkt bin.

Meditation ist Gold wert, wenn es um mentales Training geht, und meiner Meinung nach auch besser als die „Du bist der Größte“-Selbstgespräche, die sonst unter „mentalem Training“ vestanden werden.

Sport

Auch wenn Billard keine Sportart ist, in der es auf Kraft, Gewicht oder Körpergröße ankommt, spielt der Zustand Deines Körpers eine Rolle. Früher konnten ein Steve Mizerak, ein Minnesota Fats oder Danny Basavich Weltklasse spielen. Heute sind unfitte Spieler schon eine Seltenheit, und, andersherum, topfitte Spieler wie Niels Feijen oder Thorsten Hohmann werden immer häufiger. Anders ist ein langes Turnier auf höchstem Niveau heute einfach nicht durchzuhalten – sowohl körperlich als auch mental.

Weltklassespieler? Ja. Sportler? Eher nicht.

Weltklassespieler? Ja. Sportler? Eher nicht. (v.l.n.r.: Danny Basavich, Minnesota Fats, Steve Mizerak)

Ich empfehle zum Beispiel, es mal mit Yoga, Crossfit oder auch mit einer Fitness-App wie dem „7 minute workout“ zu probieren.

Billardvideos gucken

Vor ein paar Jahren kam ich einmal an einen Stapel DVDs mit allen Spielen der 9-Ball-WM 2005, komplett aus dem Fernsehen aufgezeichnet. Gleichzeitig steckte ich gerade in meiner Ausbildung zum Billard-Trainer. Logische Folge: Jeden Tag schaute ich 2-3 Stunden 9-Ball. Ich zog mir tatsächlich alle Spiele einer 9-Ball-WM rein, von den Vorrunden bis zum denkwürdigen Finale, in dem der damals 16jährige Wu Chia Ching am Ende 5 Partien am Stück zum 17:16-Sieg ausmachte.

Nicht unbedingt der Ball, den ich bei 16:16 im WM-Finale machen will...

Nicht unbedingt der Ball, den ich bei 16:16 im WM-Finale machen will…

Seit diesem 9-Ball-TV-Marathon hatte ich 9-Ball verstanden. Ich kann vielleicht nicht auf dem Niveau eines Weltklasse-Spielers spielen, aber sehen kann ich die Abläufe jetzt. Man lernt so viel, wenn man sich die Top-Leute anschaut: Laufwege, Positionszonen, Rhythmus, Taktik, Verhalten am Tisch…

Und heute leben wir im Schlaraffenland. Du kannst auf Youtube so viele gute Videos in Top-Qualität finden, so viel kann man gar nicht schauen. Das war vor 10 Jahren noch anders. Also: Öfter mal den Profis zuschauen (oder natürlich auch mal die örtlichen Bundesliga-Begegnungen oder Top-Turniere besuchen und live zugucken).

Stoßabläufe visualisieren

In den USA führte Dr. Blaslotto 1996 an der Universität von Chicago eine interessante Studie durch: Er bildete drei Gruppen von Basketball-Spielern. Die erste Gruppe sollte Freiwürfe trainieren. Die zweite Gruppe sollte sich vor ihrem inneren Auge vorstellen, Freiwürfe zu trainieren. Die dritte Gruppe sollte keine Freiwürfe trainieren. Nach 30 Tagen wurde gemessen, wie sich die Spieler bei Freiwürfen verbessert hatten.

Natürlich schnitt die dritte Gruppe, die gar nicht trainiert hatte, am schlechtesten ab: Sie hatte sich gar nicht verbessert. Die Gruppe, die Freiwürfe trainiert hatte, hatte sich bei Freiwürfen um 24% verbessert, was ebenfalls kaum überraschte. Aber das verblüffende war: Die Gruppe, die sich die Freiwürfe nur vorgestellt hatte, hatte sich ebenfalls deutlich verbessert, und zwar um 23%.

Was heißt das für Dich? Es gibt keine Ausreden mehr, dass Du zu wenig Zeit zum Trainieren hast. Wie wäre es, wenn Du morgen in der Bahn mal auf Candy Crush auf Deinem Smartphone verzichtest?

Stattdessen „trainierst“ Du im Geiste Anstöße: Du baust die Kugeln auf, legst Dir die Weiße zurecht, kreidest Dein Queue, nimmst Deinen Stand ein, machst Probeschwünge, hältst Dein Handgelenk locker, holst langsam aus und beschleunigst dann das Queue geschmeidig durch die Weiße. Die Weiße trifft den Haufen, es knallt, die Kugeln fliegen auseinander, während die Weiße kontrolliert zurückspringt und wie festgenagelt in der Tischmitte liegenbleibt.

Wichtig ist, dass Du die Szene so visualisiert, wie Du sie mit Deinen eigenen Augen sehen würdest. Du musst mit allen Sinnen dabei sein; vor allem musst Du sehen, hören und fühlen, was passiert. Die Kugeln auf dem Tisch und Deine Hand, die das Queue hält. Das Reiben der Kreide auf Deinem Queue. Das Geräusch, dass Dein Queue an der Weißen erzeugt und das Klacken der Kugeln, wenn die Weiße das Dreieck trifft. Das Gefühl Deines Queues in Deiner Hand, der Aufprall auf der Weißen, wie Du mit dem Queue durchgehst usw.

Wenn Du das regelmäßig machst (zusätzlich zum echten Training natürlich!), wirst Du Verbesserungen bemerken. Glaube mir!

Konzentrationsübungen

Und noch eine Methode, um sich besser zu konzentrieren. Es gibt mittlerweile spezielle Apps, mit denen man seine Konzentrationsfähigkeiten trainieren kann. Eine davon heißt „NeuroNation“ für Android.

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