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Jeder kennt die Aussage: Du musst das Turnier gewinnen wollen, um es gewinnen zu können. Ich habe gestern zum ersten Mal wirklich erfahren, was damit gemeint ist. Ich lese gerade das hervorragende Buch „The Millionaire Fastlane„. Es geht darin um den schnellen Weg zum Wohlstand, und die Aussagen sind auf viele Themen im Leben anwendbar. Der Autor MJ DeMarco sagt darin, es bestehe ein Unterschied zwischen „wollen“ im Sinne von „interessiert sein“ und „wollen“ im Sinne von „committed sein“. Es gibt leider kein passendes deutsches Wort für Commitment. Commitment heißt für mich eine echte, tiefe, glaubhafte Selbst-Bindung an ein Ziel.

Ich bin bisher oft zu Turnieren oder Spieltagen gefahren mit dem lebhaften Interesse daran (aka „wollen“), das Turnier zu gewinnen. Mit dem gleichen Interesse, mit dem ich gerne Weltmeister wäre, Millionär, Frauenheld, Astronaut, was auch immer. Gleichzeitig bin ich mit dem unterschwelligen Gedanken hingefahren, dass der zweite oder dritte Platz ja echt ok wäre (bei der Konkurrenz, bei meinem Trainingsstand, mit Kopfschmerzen, [deine Lieblingsausrede hier einfügen]). Tja, und so bin ich ein echter Meister im Zweiter werden geworden. Ich habe mich fürs Erster werden interessiert, aber für den zweiten oder dritten Platz committed. Mein echtes Wollen bestand darin, das Gesicht zu wahren, ein ordentliches Ergebnis einzufahren oder am Sonntag früher zu Hause zu sein. Schön ohne Risiko.

Gestern, frisch inspiriert von meiner Lektüre, bin ich zu einem Turnier gefahren und habe mich auf dem Weg dorthin schon wieder bei Gedanken erwischt, die in Richtung „gute Platzierung“ gehen: Da sind ja sicher viele gute Spieler, ich habe seit Monaten nicht trainiert etc. Doch diesmal habe ich es rechtzeitig bemerkt und mich „um-committed“. Ich habe gesagt, und ich habe es wirklich gemeint: Ich fahre dorthin, um das Turnier zu gewinnen. Und ich habe es gewonnen.

Und das ist kein blöder Hokuspokus. Es geht nicht darum, sich blöde Affirmationen ins Hirn zu jagen, oder das Universum, die Sterne, den lieben Gott oder die gute Fee anzuflehen. Nein, das Commitment sorgt einfach für ein paar richtige Entscheidungen und Handlungen im richtigen Augenblick. Ich habe zum Beispiel entschieden, den ganzen Abend nur Wasser zu trinken. Ich habe gut gegessen. Wenn ich gemerkt habe, dass das Spiel knapp ist, habe ich mich fokussiert und die erfolgversprechendsten Bälle gespielt. Mein Commitment war einfach permanent präsent, vor allem, wenn es nicht gut lief. Ich habe zwei Matches Hill-Hill gewonnen und gegen Gegner mit Handicap sehr konzentriert gespielt. Und ich war weitaus weniger nervös und viel selbstsicherer als sonst. Weil ich mein echtes Ziel kannte und keine Diskrepanz zwischen Interesse-Wollen („Gewinnen wäre schön.“) und Commitment-Wollen („Ich bin nur hier, um zu gewinnen.“) vorhanden war.

Warum der Titel: „Du bekommst höchstens, was Du willst“? Weil all das Commitment keine Garantie ist, das Ziel zu erreichen. Ich habe auch gestern Fehler gemacht, die mich einen Satz hätten kosten können. Ich habe auch gestern Glück in entscheidenden Momenten gehabt. Ich habe gegen ein, zwei starke Spieler nicht spielen müssen. Es hätte also durchaus passieren können, das ich das  Turnier nicht gewinne und mein Ziel nicht erreiche. Aber:

  1. Ich hätte mich trotzdem gut gefühlt mit dem Wissen, alles dafür getan zu haben.
  2. Ich habe das Turnier gewonnen.

Punkt 2 ist interessant: Echtes Commitment ist am besten an Ergebnissen zu erkennen. Der am Sieg interessierte Spieler wird 2., der auf Sieg committete Spieler gewinnt. Hätte ich mich auf „Gesicht wahren“, „gute Platzierung“ oder „netter Abend“ committed, hätte ich genau das bekommen. Hätte ich mich auf Platz 2 committed, hätte ich max. Platz 2 erreicht. Es gibt natürlich keine Garantie, das angestrebte Ziel zu erreichen. Aber Du bekommst höchstens das, was Du willst.

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